Stelzendorf, Gardasee

Die Geschichte der Region Gardasee

Entstehung

Der Gardasee ist ein Kind der letzten Eiszeit. Ein prähistorischer Gletscher wälzte sich langsam aber mit Macht das Etschtal herab und malmte den "Lago di Garda" mit seiner langgestreckten Gestalt von Norden nach Süden ins Gestein. An den Ufern des fischreichen Sees errichteten Menschen schon vor 4000 Jahren Pfahlbauten. Doch schon lange vor der ersten Besiedlung der Gegend müssen die ersten Jäger und Nomaden Europas das Gewässer gekannt haben. Denn 150 km nördlich des "Benacus" starb vor 5400 Jahren ein Mann der Kupfersteinzeit, der in unseren Tagen als "Ötzi" posthumen Weltruhm erlangte.

Römer, Goten und Scaliger

Roemische Therme, Riva del Garda, Gardasee

Im 2. Jahrhundert v. Chr. vereinnahmten die Römer Oberitalien, womit in die Provinz "Gallia Cisalpina" zunächst fast 700 Jahre Ruhe einkehrte. Mit dem Untergang des Imperium Romanum begann eine lange Zeit heftiger Kriege rund um den Gardasee. Im Übergang von der Antike ins Frühmittelalter stritten Ost- und Westgoten, Germanen, Hunnen und Langobarden um die Herrschaft in der Region des größten Sees in Italien. Karl der Große gliederte das Reich der Langobarden Frankreich an. Keine 300 Jahre währte die Herrschaft der Karolinger, denn im 10. Jahrhundert erlangten die italienischen Stadtstaaten Norditaliens unter ihren Fürsten vollständige Autonomie. Verbündet im Kampf gegen Barbarossa schlugen sie den Angriff des Stauffers zurück und konnten so ihre Stellung behaupten. Doch ohne äußeren Gegner bekämpften sich die norditalienischen Provinzkönige untereinander mit verbitterter Härte. Am See zeugen die vielen Burgen der Scaliger davon. Auch die Venezier hinterließen viele Spuren, besonders in der Architektur. Bestes Erkennungszeichen sind die Schwalbenschwanzzinnen, denen man überall am See begegnet.

Von Napoleon bis heute

Diesen Zustand der erbitterten Kämpfe beendete erst die Ankunft Napoleons in der Poebene. Die Provinzen um den Gardasee, Venetien, Trient und Südtirol, sowie die Lombardei, wurden nach dem Sieg über den machtgierigen Franzosen mal Österreich, mal Bayern oder Italien angegliedert. Seit dem Ende des 1. Weltkriegs, wärend dessen sogar Kriegsschiffe auf dem Gardasee patroullierten, gehört der Gardasee mit allen Uferabschnitten zu Italien, das konfliktbelastete Südtirol inbegriffen. Den vorerst letzten Skandal der Geschichte im Land des Lago di Garda inszenierte der faschistische Diktator Benito Mussolini. Gegen Ende des 2. Weltkriegs flüchtete er vor den Alliierten an den Gardasee und rief dort die "Republik von SalÚ" aus. Zankapfel vieler Herren und Nationen war die Region um den Gardasee bis ins letzte Jahrhundert. Aber gerade dadurch glänzen die Provinzen Lombardei, Trient/Südtirol und Venetien, die sich heute den Gardasee teilen, als eine der reichsten Kulturlandschaft Europas.